in Berlin Köpenick, Prenzlauer Berg, Treptow

Liebe Leserinnen und Leser,

wer seinen Mitarbeitern zusätzlich zu Lohn oder Gehalt einen monatlichen Benzingutschein aushändigt, muss wichtige Punkte beachten, damit keine Lohnsteuer fällig wird. So hatte ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern für 9 Monate im Voraus Tankgutscheine mit dem Hinweis übergeben, monatlich jeweils nur einen Gutschein einzulösen. Wie das Finanzgericht (FG) Sachsen (Urteil vom 09.01.2018, Az. 3 K511/17, Abruf-Nr. 202157) nun entschied, sind die Gutscheine trotzdem zu versteuernder Arbeitslohn. Die 44-Euro-Sachbezugsteuerfreigrenze greift also trotz des einschränkenden Hinweises nicht. Gut gemeint, schlecht gemacht.

Wir erklären Ihnen, wie Sie Lohnsteuerzahlungen auf die Ausgabe von Warengutscheinen vermeiden.
Warengutscheine, oder wie im vorliegenden Fall die Tankgutscheine, sind immer dann als Sachbezug zu werten, wenn der Mitarbeiter den Gutschein nur einmal gegen Ware aber nicht gegen Bargeld einlösen kann. So steht es im Einkommensteuergesetz (EStG) im § 8 Abs. 1, Abs. 2 Satz 11.  Der Sachbezug bleibt steuerfrei, heißt es dort weiter, wenn er einen Wert von 44 Euro im Monat nicht übersteigt. Darüber hinaus regeln die Lohnsteuer-Richtlinien (LStR, 38.2 Abs. 3): „Der Zufluss des Arbeitslohns erfolgt bei einem Gutschein, der bei einem Dritten einzulösen ist, mit Hingabe des Gutscheins, weil der Arbeitnehmer zu diesem Zeitpunkt einen Rechtsanspruch gegenüber dem Dritten erhält.“ Für den vorliegenden Fall bedeutet dies, dass der Mitarbeiter mit der Hingabe der 9 Tankgutscheine à 44,- Euro sofort die Grenze von 44,- Euro überschritten hatte. Hier half also auch der schriftliche Hinweis nichts.

Sachbezug in der Praxis
Im Folgenden geben wir Ihnen Beispiele für die praxisgerechte Handhabe von Gutscheinen.
Sachbezug liegt vor, wenn:
Sie dem Mitarbeiter einen Benzingutschein ausstellen, der ihn berechtigt, bei einer Tankstelle seiner Wahl Benzin bis zum Betrag von 44 € zu tanken. Bei dieser Variante ist der Ablauf wie folgt zu beachten: der Arbeitnehmer zahlt den Betrag und der Arbeitgeber erstattet ihm diesen anschließend gegen Vorlage der Gutscheinquittung,
Sie Ihrem Mitarbeiter, z. B. anlässlich seines Firmenjubiläums, einen 40-€-Geschenkgutschein von einer Einzelhandelskette überlassen.
Sie Ihrem Mitarbeiter eine Tankkarte überlassen, mit der er zu Ihren Lasten bei einer bestimmten Tankstelle bis zu einem Höchstbetrag von 44 € im Monat tanken kann. Gerade an der Zapfsäule kann es aber leicht passieren, dass der Arbeitnehmer unbeabsichtigt den Grenzbetrag von 44,- Euro geringfügig überschreitet. Vom Konto des Arbeitgebers wird dann der Betrag, der nun höher als 44 € ist, abgebucht. Konsequenz: Der Grenzwert von 44 € wird überschritten, sodass der Gesamtbetrag als Arbeitslohn versteuert werden müsste.
Die Finanzverwaltung hat solche Vorgänge jetzt entschärft. Wenn der Mitarbeiter den Differenzbetrag, der über 44 € hinausgeht, an den Arbeitgeber zurückzahlt (H 8.1 (1-4) LStH unter dem Stichwort „Warengutscheine“) akzeptiert das Finanzamt nun, dass es sich um einen lohnsteuer- und sozialversicherungsfreien Sachbezug in Höhe von 44 € handelt.

Tipp:
Gerade beim Tanken ist es schwierig, den Grenzwert von 44,- € einzuhalten. Nutzen Sie deshalb den Lösungsvorschlag der Finanzverwaltung: Vereinbaren Sie schriftlich, dass Ihr Arbeitnehmer Ihnen einen eventuell übersteigenden Betrag erstattet (ggf. als Abzug vom Arbeitslohn). Dann können Sie monatlich 44 € als lohnsteuer- und sozialversicherungsfreien Sachbezug behandeln.
Für Fragen zur richtigen Nutzung der gesetzlichen 44-Euro-Sachbezugsfreigrenze, stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Wir freuen uns Sie kennenzulernen!



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